Der Brief

Auf Empfehlung meines ursprünglichen „Mémoiredirektors“, Prof. YX der Pädagogischen Hochschule zu Lausanne, habe ich folgenden Persönlichkeiten der Waadtländer Gesundheitsbehörden einen Fragebogen zugeschickt, für den ich volle Verantwortung übernehme:

  • Profa (Dr. Naoum Frenck) : die Sexualausbildungsstelle;
  • ODES (Dr. Olivier Duperrex) : die kantonale Aufsicht über die Gesundheit in den Schulen;
  • UMSA (Prof. Michaud) : die medizinische Ansprechperson des Universitätsspitals
  • SUPEA (Dr. Stefen) : Die Ansprechperson des Kinderspitals
  • Eine Schulkrankenschwester
  • Ein Fachvertreter einer evangelikalen Kirche

Anfang März 2011

« Pornographie : Wirklichkeit der Jugendlichen, Positionierung der Fachleute

Sehr geehrte Frau/ sehr geehrter Herr XY

Zurzeit bin ich an der Fertigstellung meines Mémoires für die PH Lausanne, Bereich 2, Gymnasium, bei Prof. YX. Dessen Zielsetzung entspricht obigem Titel. Als Philosophielehrer interessiere ich mich insbesondere auch für die Sexualethik. Herr Prof. YX hat mich gebeten, bei Ihnen eine kleinere Umfrage an den oben angegebenen Stellen durchzuführen. Ich hätte Sie also gerne in der zweiten Märzhälfte getroffen, um mit Ihnen das beiliegende Formular zu besprechen. Die Auswertung dieser Informationen geschieht völlig anonym, also ohne jegliche Quellenangabe, im Sinne von z. B. „von den 6 Experten meinen 3, dass…“ Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir vorab die einschlägigen Veröffentlichungen zustellen könnten, sofern Sie welche haben, vergleichbar in etwa der beiliegenden kanadischen Studie Ca SEXprime, die in diesem Zusammenhang eine gute Ausgangsbasis sein könnte.

Idealerweise antworten Sie auf die meisten Fragen schriftlich, so dass sich mein Besuch auf die offenen Fragen konzentrieren könnte. Das sei hier nur ein unverbindlicher Vorschlag.

Möchten sie mir bitte einen Termin ab dem 17. März vorschlagen und mir diesen auf harri@greenmail.ch mitteilen. Ohne Antwort Ihrerseits werde ich mir erlauben, Sie telefonisch zu erreichen.

Ich danke Ihnen jetzt schon für Ihre Bereitschaft, an dieser Umfrage teilzunehmen und verbleibe mit meinen besten Grüssen

Harri Wettstein, étudiant HEPL »

Um eine größere Bereitschaft zu erzielen, habe ich also auf die Anonymität der Aussagen gepocht. Wie im Brief vermerkt, habe ich den in Teil I besprochenen Artikel aus Kanada, der 2007 veröffentlicht wurde, beigelegt.

Der Umfragebogen und die Antworten

Nur ein einziges Interview wurde mir vergönnt, dasjenige mit dem evangelikalen Pastor! Mit Profa hatte ich einen telefonischen und schriftlichen Gedankenaustausch. Alle anderen Trägerschaften der öffentlichen Gesundheit haben sich über meinen Fragebogen entrüstet. In der Frage 9 (auf die ich später zurückkomme) haben sie einen  scheinheiligen Vorwand gefunden, mich abzuweisen und um ihre fachspezifische Ignoranz zu kaschieren. Denn hätten sie eigenes Material gehabt oder ähnliche Ansätze in ihrem Umfeld, wäre es ihnen ein leichtes gewesen, mir wunschgemäß diese Unterlagen zuzustellen. Aus Panik hat mich mein Directeur de Mémoire einfach fallen gelassen und mich zudem der Sektiererei bezichtigt, da ich vorhatte, einen Pfarrer zu interviewen. Um diesbezüglich sofort reinen Tisch zu machen, sei hier erwähnt, dass ich das Hugenottenkreuz um den Hals trage quasi als Schutzschild gegen jegliche albernen Vorurteile sowie gegen jegliche naive Leichtgläubigkeit. Außerdem wird an der PH Lausanne großen Wert darauf gelegt, dass für schulische Belange ein multikultureller Ansatz entwickelt wird. Von daher erscheint es überfällig, Minderheit wie Evangelikale oder Muslime zu berücksichtigen und sie gerade nicht auszuschließen, weil sie gegen jegliche Form von Pornographie sind. Es macht durchaus Sinn, deren Argumente aufzunehmen, auch wenn diese altbacken oder nichtanwendbar auf den Schulbetrieb anmuten. Nicht zuletzt hat auch das Deutsche Manual die „Christen“ (ohne weitere Spezifizierung) als eine ernstzunehmende Fokusgruppe integriert. Was soll denn da so abwegig sein, einen evangelikalen Pastor, der sich sogar aktiv auf die Pornosuchthilfe bei Jugendlichen spezialisiert hat, zu interviewen? Denn in den anderen christlichen Kirchen, der reformierten oder katholischen, existiert kein solcher Beratungsdienst und, so würde ich meinen, kann die Pornographie nicht mehr über das katholische Beichtstuhlverfahren gelöst werden schon alleine deshalb, weil wohl kaum noch ein Teenager beichten geht.

Profa schrieb mir am 13. Mai 2011 folgendes E-Mail:

Im Rahmen einer Evaluierung unserer Dienstleistungen durch das

sozialmedizinische und präventive Institut der Universität Lausanne (deren

Ergebnisse auf unserer Homepage ersichtlich sind)25 sowie infolge der daraus

hervorgehenden Empfehlungen durch das DFJC (Département de formation, de

jeunesse et des cultes), wurde Profa angeraten, sich auf ihre Kernanliegen zu

konzentrieren. Neue Themen im Zusammenhang mit den neuen Technologien

sowie die Internetprävention sollen fortan im Rahmen der Schuleinheiten

durchgenommen werden.

Es fällt mir wie Schuppen von den Augen: dieser externe profa-Audit enthält eine lange Liste von Verbesserungsvorschlägen, die in der ganzen Romandie vorgenommen werden sollen. Ich muss hier den Leser leider auf dieses sehr ausführliche Dokument von 2010 verweisen, das die Funktionsweise von Profa, genau besehen, stark in Frage stellt. Auf jeden Fall wird hiermit der Beweis erbracht, dass die Pornographie von den öffentlichen Gesundheitsinstanzen nicht ausdrücklich behandelt wird.

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