Ihr grosses Buch 2: Sterbefasten

April 6, 2014

Le 18.03.14 15:46, Christian Walther a écrit :

Lieber Herr Wettstein,

P. Baumann kritisiert Sie  in seinem Buch (2. Aufl., S. 168f) wegen eines Vorschlages, für den Fall der Demenz in der PV zu verfügen, dass man gegf. nicht mehr ernährt u. mit Flüssigkeit versorgt wird. Ich habe jetzt begonnen, in „Sterben zur rechten Zeit“ nach der betreffenden Stelle zu suchen. Vielleicht können Sie mir einen Tip (Seitenangaben) geben, wie ich schneller fündig werde. Erst wenn ich das vor mir habe, kann ich mir ein Urteil bilden. (Sorry, wenn ich angesichts der vielen anderen Lektüre Ihr Buch nicht von vorne bis hinten genau durchlesen werde).

Allerdings will ich zu dieser „Debatte von damals“ nicht irgendwo Stellung nehmen. Ich habe nur vor, für eine 4. Auf. UNSERES Buches in der Einleitung dem Begriff „Sterbefasten“ nachzugehen (aber das schrieb ich Ihnen wohl schon vor längerer Zeit). Somit besteht kein Erklärungs- oder Rechtfertigungsbedarf. Falls Baumann Sie nicht mißverstanden sind, dann sind Sie in „guter Gesellschaft“ mit dem Arzt Stanley Terman, der sich viele Gedanken über Demenz gemacht hat und eine trickreiche Vorausverfügung empfiehlt, die besagt: Wenn in der Demenz dieses oder jenes Stadium erreicht ist, dann versorgt mich bitte nicht mehr… und lasst mich sterben. Ich habe zwar daran moralisch nichts auszusetzen, halte das aber für eine überzogene Zumutung an das „Umfeld“, welches zu gegebener Zeit diesem Wunsch entsprechen soll.

Beste Grüße

Christian Walther

.

Lieber Herr Walther,

Besten Dank, dass Sie mich auf diese Stelle, die schon in der ersten Auflage von 1995 stand, aufmerksam machten.

Es handelt sich um Punkt 5. (immer noch im Rahmen der Palliativpflege) auf S. 105:

“Bin ich derart senil geworden, dass ich z.B. meine Angehörigen nicht mehr erkenne und meine Emotionen nicht mehr ausdrücken kann, so verlange ich, dass man mir keine Nahrung mehr verabreicht, wenn ich nach drei Tagen ohne feste Ernährung keine Esslust mehr zeigen sollte, und dass man mich unter Wahrnehmung einer bestmöglichen Schmerzlinderung sterben lässt”. Wohlverstanden gehören Darmentleerung und Mundpflege zur Schmerzlinderung.

Das mit den drei Tagen entnahm ich der Fastenerfahrung, die ich damals hatte und die jeder machen kann, die jedem offen steht, wenn er nur will (das zählt mehr als all die Argumente), und die ich damals noch an dieser Stelle eingebaut hatte: Wenn mein Umfeld weiss, dass ich Fastenerfahrung habe, ist das überhaupt keine Zumutung mehr, sondern nur gut und recht, diesen Patientenwillen zu befolgen. Das mag Fastenunerfahrene schockieren. Bitte: dann sollen sie mal fasten, bevor sie sich schockieren lassen! Damals war ich mit dem Sterbefasten nur ganz am Rande konfrontiert, es gab es schon immer in den Altenheimen, dass gewisse Personen einfach nichts mehr essen wollten (das schockierte jeweils den Arzt, nicht aber die Pflegerinnen), und zwar nicht als Ausweg, weil man ihnen eine aktive Sterbehilfe verweigerte wie in Holland. Für mich war aber immer sonnenklar, dass das gewollte und bewusst anvisierte Sterbefasten auch auf dieser Stufe der Palliativpflege eine Möglichkeit war, keine “Ausweg” (diese Diskussion ist für mich daneben), sondern vielleicht sogar ein königlicher Weg des Abschiednehmens. Diese Hypothese hatte ich dann ganz am Schluss in der Passage, die ich Ihnen schon angegeben habe, ausformuliert und sehe sie nach all den Jahren als volle Palliativalternative nun bestätigt. Ich weiss nicht, ob dieser amerikanische Arzt die gleiche Lösung mit dem Fasten als Ars moriendi im Auge hatte oder hat.

Ich hoffe, Ihnen mit diesen Angaben gedient zu haben und freue mich, dass dieser Gedanke endlich Fuss fasst.

Leider war die Textfülle dermassen gross, dass man bei den damaligen technischen Möglichkeiten kein Inhaltsverzeichnis mehr einbauen konnte, deshalb beliessen wir es bei einen Namenverzeichnis.

Mit freundlichen Grüssen

Ihr

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