Zeitungsartikel über Harri Wettsteins Forschungsarbeit, Lausanne Cité, 8. Sept. 2011

June 19, 2012

Von Charaf Abdessemed, 8. September 2011, in: Lausanne Cité

Harri Wettstein: “Eine Pornoprävention ist dringend notwendig”.

Harri Wettstein forscht zur PornographiePORNOGRAPHIE • Der Philosoph und habilitierte Psychologe Harri Wettstein deckt ins seiner Forschungsarbeit 

« Lutsch mich mal »

Pornographie – Jugendwirklichkeit und sprachlose Sexualpädagogik

die krassen Mängel der Pronoaufklärung an den westschweizer Schulen auf.

Pornoforschung | Was ist Sexsucht? | Pornosucht | Sexualaufklärung

Lausanne Cités: Weshalb interessieren Sie sich für die Pornoprävention bei Jugendlichen?

Harri Wettstein: Als Psychologe und Philosoph habe ich das Thema Sexualität und Fruchtbarkeit schon über Jahre vertieft. Und soblad man sich so richtig eingearbeitet hat, fällt man immer wieder auf die Pornographie, die allgegenwärtig geworden ist. Wir können nicht mehr über Sexualität reden und eine Sexualität haben, ohne auf den Porno zu stoßen.

Lausanne Cités: Im Rahmen Ihrer Forschungsarbeit an der Pädagogischen Fachhochschule in Lausanne kommen Sie ja wahrlich zu erstaunlichen Schlussfogerungen.

Harri Wettstein: Meine Eingangsfrage war: Was gibt es an didaktischem Material bei unseren Gesundheitsspezialisten, den Sozialarbeitern und den Sexualaufklärungsstellen? Womit treten diese Leute diesebezüglich vor der Jugend auf?

Lausanne Cités: Und ja, was gibt es da so?

Harri Wettstein: Nichts Erwähnenswertes. Der Kanton Waadt (französische Westschweiz) hat in Sachen Sexualaufklärung ohnehin den falschen Weg eingeschlagen. Zum einen wird das Thema der Poronographie nicht dirket behandelt, zum andern hat Profamilia, die immer noch  das Monopol zu diesen Fragen innehält, infolge eines für sie sehr negativ ausgefallenen Audits nun angekündigt, sie werde diese Problematik in die Schulen abgegeben und dort auslagern…

Lausanne Cités: Und was geschieht in den Schulen?

Harri Wettstein: Vorläufig noch gar nichts, ausser dass sich die Schüler bereit erklären müssen, dass sie in der Schule nicht auf den Pornoportalen rumsurfen oder obszöne Bilder und Botschaften verschicken. Man glaubt naiv, man könne dieses Problem mit Sanktionen erledigen, wo es doch in Wirklichkeit darum geht, dass die Jugendlichen dieses Phänomen in den Griff bekommen sollen und nicht wie jetzt, wo viele Jungs in den unkontrollierbaren Pronokonsum abdriften.

Lausanne Cités: Sind die Behörden offen für neue Wege und Methoden?

Harri Wettstein: Ich habe sämtliche Behörden angeschrieben. Die wollten mich aber erst gar nicht empfangen. Denn sie wittern, dass ihr Wahrheitsmonopol in Frage gestellt wird – und es lautet: die Sexualität reduziert sich auf Verhütungspillen und Präser! Obwohl jedermann weiss, dass mit den Smartphones die Zugangsschwelle zum Gratisporno so niedrig geworden ist wie noch nie.

Lausanne Cités: Wohin führt das, wenn weiterhin wie bisher “aufgeklärt” wird?

Harri Wettstein: Im Verlaufe meiner Umfrage bin ich zum erschreckenden Ergebnis gekommen, dass das Alpha und Omega der heutigen Sexualität lautet: von anal bis oral. Wegen des gewaltigen Pronoeinflusses ist ein Jugendlicher heute niemand mehr, wenn er nicht weiss, wie es es oral und anal genau funktioniert.

Lausanne Cités: Aber was soll da so alarmierend sein?

Harri Wettstein: Es ist auf jeden Fall alarmierdend, weil diese Sexvorstellungen die Mann-Frau-Beziehung nicht verbessert und dass die Pronographie diese Beziehung grundlegend verändern wird und schon bedenklich verändert hat. Heute steht die Männlichkeit in einer großen Krise, die Jungs sind desorientiert in Sachen Sex und die Pornovorbilder führen sie in eine längst für vergangen gehaltene, archaische Brutalo-Männlichkeit zurück. Wenn ich dem Mädechen befehle “lutsch mir mal einen”, dann hat sie das zu respektieren, egal ob sie mich nun besonders mag oder nicht. Auf der Mädchenseite entsteht Panik, weil die Mädels befürchten, den Pornonormen der Cyberkreaturen mit all ihren sogeannten Schönheitsoperationen nicht mithalten zu können!

Buch zur SexualaufklärungLausanne Cités: Was schalgen sie vor?

Harri Wettstein: Man muss zum Beispiel im Biolgieunterricht überprüfen, ob der Frauenzyklus richtig unterrichtet wird. Nicht so wie das der Linder-Biologie vorschlägt. Dann sind in meinen Augen Sexualität und Fruchtbarkeit zwei untrennbare Seiten. Darüber hinaus sollten die Jugendlichen mehr über sich und ihren Köper lernen, was zu einer besseren Selbstwerteinschätzung führt. Die Mädchen könnten sich dann endlich wohlinformiert entscheiden, wie sie ihr Liebesleben gestalten sollten, und sich dadurch vom Druck von Pille und Pornomüll befreien. In Deutschland gibt es seit kurzem ein hervorragendes didaktisches Werk für Pädagogen, Lehrer und Sozialarbeiter: “Let’s talk about Porno”. Wir sollten uns davon beeinflussen lassen, es geht um die Entfaltungskraft unserer Kinder.

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